A W F Projekte   |   Prof. Dr. Christoph Kleinn - M.Sc. Axel Buschmann
Projekte




Entwicklung eines operationalen Monitoring-Instrumentes für die Erfassung und Bewertung der Habitatqualität zu schützender Arten in Natura 2000-Gebieten


Forschungsgebiet Habitatmonitoring

Hintergrund Die EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, über den Erhaltungszustand zu schützender Arten in den Natura 2000-Gebieten (und auch darüber hinaus) in regelmäßigen Abständen zu berichten. Eines der wesentlichen Kriterien zur Beurteilung des Erhaltungszustandes der Arten ist die Habitatqualität. Methoden für ihre Erfassung und Bewertung werden zur Zeit für zahlreiche Arten erarbeitet, und weiterer Entwicklungsbedarf ist insbesondere in zweierlei Hinsicht erkennbar:
  1. Landschaftskonfiguration: Die großräumige Habitatstruktur wird meist über Merkmale der Landschaftskomposition erfasst (=Anteile relevanter Landschaftselemente), weniger über die Landschaftskonfiguration. Letztere integriert räumliche Aspekte und hat dadurch einen höheren Aussagewert. Bislang werden Aspekte der Landschaftskonfiguration lediglich gutachtlich erfasst.


  2. Einflussstärke der gewichteten Habitatgütekriterien: Die übliche Anwendung von Aggregationsansätzen in der Habitatbewertung birgt die Gefahr, dass wichtige Information nicht ausreichend gewürdigt wird.

Ziele und Lösungsansätze Ziel des Projektes ist es, zur Entwicklung eines aussagekräftigen Monitoringsystems im Natura 2000-Kontext beizutragen. Der Projektvorschlag umfasst methodische Ansätze, die an einem konkreten Beispiel entwickelt, getestet und demonstriert werden.

Zentrale Elemente der Methodenentwicklung sind:

Landschaftsstrukturmaße (Landscape Metrics): Diese sollen in die Erfassung der Habitatstruktur einbezogen werden. Dadurch lassen sich Merkmale der räumlichen Ausprägung und Vernetzung der Habitatelemente in quantifizierbaren und objektiven Messgrößen abbilden. Ihre Erfassung lässt sich innerhalb eines standardisierten Monitorings kosteneffizient durch Luft- und hochaufgelöste Satellitenbilder realisieren.

Abb. 1
Abb. 1: Beispiel für eine Habitatqualitätskarte mit Anzeige von Zonen unterschiedlicher Habitateignung über ein Farbschema.

Empirisches Habitatmodell: Für eine verbesserte Bewertung der artspezifischen Habitatqualität wird das statistische Habitatmodell der Ecological-Niche Factor Analysis (ENFA, Hirzel et al. 2002) in die Analysen einbezogen. Das Modell bringt die für eine betrachtete Art potentiell einflussreichen Habitatgütekriterien mittels einer Faktorenanalyse in eine interpretierbare Bedeutungsreihenfolge. Die Berücksichtigung von Kombinations- und Interaktionseffekten der einzelnen Kriterien, ihre Gewichtung im lokalen Kontext sowie die kleinräumig differenzierte Ansprache der Habitatqualität lassen eine deutlich erhöhte ökologische Aussagekraft der Habitatbewertungen erwarten.

 

Abb. 2 Die Entwicklung des Monitoring­ansatzes erfolgt als Modellstudie für das EU-Vogelschutz­gebiet V19 in Südniedersachsen am Beispiel des Rotmilans (Milvus milvus, Anhang I-Art der Vogelschutz-Richtlinie). Der Übertragbarkeit auf andere Arten(gruppen) kommt dabei besondere Aufmerksamkeit zu.

Abb. 2: Rotmilan im Schwebeflug (Quelle: A. Klein, www.naturfan.de).


Arbeitsplan
  1. Datenaufbereitung und Identifikation der Habitatpräferenzen der Modellart


  2. Habitatstrukturanalyse und Umsetzung der Artpräferenzen in quantifizierbare Habitatqualitätskriterien


  3. Habitatqualitätsbewertung mit dem ENFA-Modell


  4. Auswertung des Modellarten-Monitorings


  5. Integration der abgeleiteten Verfahrensvorschläge in das bestehende Standardmonitoring (sicherzustellen sind insbesondere Komplementarität, Praktikabilität und Übertragbarkeit der entwickelten Ansätze)
Zudem werden weitergehende Einsatzmöglichkeiten der Methodik, z.B. im Bereich von Gefährdungsanalysen und Verträglichkeitsprüfungen im Vorlauf geplanter Projekte mit potentieller Auswirkung auf die Habitatqualität zu schützender Arten geprüft.

Referenzen Hirzel, A.H., Hausser, J., Chessel, D. & Perrin, N. (2002): Ecological-Niche Factor Analysis: How to compute habitat-suitability maps without absence data? Ecology 83 (7): 2027-2036.

Kooperationen Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Kreisgruppe Göttingen (Kontakt: Herr Uwe Scheibler)
Büro für Faunistische Untersuchungen Brunken, Göttingen

Koordination Prof. Dr. Christoph Kleinn
Abteilung Waldinventur und Fernerkundung
Büsgenweg 5, 37077 Göttingen
Tel. +49 551 39-3472
CKleinn@gwdg.de

Bearbeitung M.Sc. Axel Buschmann

Finanzierung Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Zeitraum Januar 2008 – Dezember 2010