AWF Gebrauchsanleitung für das Dendrometer II nach KRAMER
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| Höhenschätzung | Grundflächenbestimmung | Massenanteilsschätzung | Bestandesvolumenschätzung |
| Literatur |


Gebrauch des Dendrometers Klicken Sie auf die Abbildung,
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Dendrometer II nach KRAMER

Das Dendrometer kann für folgende Zwecke verwendet werden:
  1. Höhenschätzung:
    Das Dendrometer in beliebiger Entfernung vom Auge am Band festhalten und so den Baum anvisieren. Den Abstand des Gerätes vom Auge oder die Entfernung zum Baum so ändern, bis die Punkte k und h sich mit der Baumspitze bzw. mit dem Stammfuß decken. Das Verhätnis der Teistrecke hi zu der Gesamtstrecke hk beträgt 1:10. Die Höhe des Punktes, den man durch i auf dem Baum anvisiert, entspricht 1/10 der Baumhöhe. Diese Höhe ist zu messen und dann mit 10 zu multiplizieren.

  2. Grundflächenbestimmung (Prinzip der Winkelzählprobe nach BITTERLICH):
    Wird von einem Standpunkt aus unter Einhaltung eines bestimmten Horizontalwinkels der d1.3 aller Bäume in einem vollen Umkreis anvisiert, so ist die Bestandes­grundfläche eine Funktion der Winkelöffnung und der Anzahl gezählter Bäume, die stärker als die Winkelöffnung erscheinen.

    Wird das Dendrometer in 50 cm Entfernung senkrecht vor das Auge r gehalten (50 cm Bandlänge = Entfernung rs von der Augenpupille bis zum Plättchen), so wird mit der Breite fg eine Winkelöffnung geschaffen, bei der jeder gezählte Baum einer Bestandesgrundfläche von 1m² je ha entspricht (Zählbreite 1).

    Werden die Bäume über der Breite op bzw. mn anvisiert, benutzt man die Zählbreiten 2 oder 4. Anschließend muß die ermittelte Grundfläche mit dem jeweiligen Zählfaktor (2 bzw. 4) multipliziert werden, um die Bestandesgrundfläche je ha zu erhalten.

    Max. HangneigungKorrektur
    Grad%k
    10 181.02
    15 271.04
    20 361.06
    25 471.10
    30 581.15
    35 701.22
    40 841.31
    451001.41
    Bei Winkelzählproben im geneigten Gelände muß die ermittelte Grundfläche je ha mit dem Korrekturfaktor k (k=1/cos α) für die jeweilige maximale Hangneigung aus der Tabelle auf dem Dendrometer multipliziert werden.

    Die Länge des Bandes kann sich durch äußere Einflüsse - wie etwa durch Nässe - verändern. Deshalb sollte von Zeit zu Zeit die Bandlänge überprüft und durch Verschieben der Verstellschraube r justiert werden.

    Wichtig:
    Jeder Benutzer des Gerätes sollte sich vor der Anwendung selbst testen, indem er an den Grenzstämmen durch Messung überprüft, ob diese Bäume mitgezählt werden müssen. Das Verhältnis d1.3 [m] : Abstand [m] vom Standpunkt zur Stammachse des Baumes muß bei Zählbreite 1 > 1:50, bei Zählbreite 2 > 1:35 und bei Zählbreite 4 > 1:25 sein.

  3. Massenanteilsschätzung zur Wertansprache des Einzelstammes:
    Vorgehen wie bei der Höhenmessung. Mit den 3 Markierungen b, c, d wird der zwischen a und e eingepaßte Baum in vier massengleiche Sektionen geteilt.

  4. Bestandesvolumenschätzung mit dem Formhöhentarif (v. LAER und SPEIDEL 1959):

    FH-Tarif
    hmEiBuFiKi
    14 6.6 5.6 6.8 6.2
    16 7.8 7.0 8.1 7.2
    18 9.1 8.2 9.3 8.0
    20 10.1 9.4 10.3 9.1
    22 11.5 10.4 11.3 9.9
    24 12.6 11.7 12.1 10.8
    26 13.8 12.9 12.9 11.7
    28 15.2 14.0 13.6 12.7
    30 16.0 15.3 14.3 13.6
    32 16.4 16.7 15.0 14.4
    34 16.8 18.0 15.5 15.0
    36 17.1 19.1 16.1 15.6
    38 - 20.0 16.3 -
    Hat man die Bestandesmittelhöhe (hm) bestimmt, so kann für die vier Hauptbaumarten (Ei, Bu, Fi, Ki)* die entsprechende Formhöhe der Tabelle auf dem Dendrometer entnommen werden. Mit der gemessenen Bestandesgrundfläche läßt sich dann nach der Formel V=G•FH das Bestandesvolumen je ha in m³ mit Rinde berechnen.

    * Ei=Eiche(Quercus robur, Quercus petraea)
     Bu=Buche(Fagus sylvatica)
     Fi=Fichte(Picea abies)
     Ki=Kiefer(Pinus sylvestris)


Literatur:
BITTERLICH, W., Die Winkelzählprobe. Forstwissenschaftliches Centralblatt, 1952, 215-225.
KRAMER, H., Nutzungsplanung in der Forsteinrichtung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. J.D. Sauerländer’s Verlag, Frankfurt/Main, 1990. ISBN 3-7939-0770-8.
KRAMER, H. & AKÇA, A., Leitfaden zur Waldmeßlehre. 5. überarbeitete Auflage. J.D. Sauerländer’s Verlag, Frankfurt/Main, 1995. ISBN 978-3-7939-0880-7.
LAER, W. von & SPEIDEL, G., Die Wertklasse als Gütemaßstab in der Forsteinrichtung. Forstarchiv, 26. Jg., 1955, 217-224.



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